FSV FORDERT GEMEINSAMEN CODEX

Mai 4, 2026

Liebe FSV-Fans, liebe Mitglieder,

trotz des ereignisreichen Tages und Sieges gegen Erfurt bleibt ein mehr als fader Beigeschmack, weil offensichtlich Gästespieler aus der Gegengerade heraus rassistisch beleidigt wurden. Unsere Solidarität gilt zunächst den Betroffenen! Wir entschuldigen uns ausdrücklich und aufrichtig – insbesondere bei Benny Boboy und Raphael Assibey-Mensah, sowie bei Rot-Weiß Erfurt – mit denen wir in gutem Austausch stehen und bei denen wir uns für die Zusammenarbeit, ihr Verständnis und ihre Besonnenheit bedanken.

Wir sagen es so deutlich: Es kotzt uns einfach an! Und was uns auch ankotzt, ist die damit verbundene Machtlosigkeit, die sicherlich leider schon viele Vereine so ähnlich erlebt haben. Nun es ist wieder soweit: Mitten in einer Phase der Euphorie um den Verein gibt es negative Schlagzeilen, die uns als FSV Zwickau durch den Kakao ziehen und brandmarken werden. Der Vorwurf geht ausdrücklich nicht an die Medien, sondern an die Täter! Das Fazit? Wir können solche Aussagen einzelner Personen im Stadion offensichtlich einfach nicht verhindern, wir sind eben auch der Querschnitt der Gesellschaft. Es ist daher leider illusorisch anzunehmen, dass das Stadion ein rassismusfreier Raum ist. Umso mehr fordern wir dazu auf, dass das Stadion nicht zur Spielwiese persönlicher Weltanschauungen wird! Stellt euch nicht über den Verein!

Aktuell arbeiten wir daran, diesen Vorfall aufzuklären. Wir haben direkt nach dem Spiel bereits gemeinsam mit Raphael Assibey-Mensah Kameraauswertungen vorgenommen – Aufnahmen des Beschuldigten liegen vor. Eine Anzeige ist erstattet und der Fall der Polizei übergeben. Wir hoffen zeitnahe weitere Schritte einleiten zu können.

Warum muss man sich, wenn man unzufrieden oder mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist, auf Äußerlichkeiten oder die vermeintliche Herkunft eines Menschen berufen? Hat das was mit dem Geschehen auf dem Platz zu tun? Es gibt tausende (kreative) Möglichkeiten und Kraftausdrücke um seinen Frust verbal im Stadion loszuwerden und die Grenzen des Sagbaren auszunutzen. Und wir wissen, dass es im Stadion auch mal rau zugehen kann und soll. Aber dieser plumpe Rassismus ist einfach keine Option!

Alles, was wir als FSV-Gemeinschaft tun können ist, den Mut zu haben, den Finger auch öffentlich in die Wunde zu legen. Das tun wir hiermit! Gleichzeitig rufen wir unsere Stadionbesucher dazu auf, sich an unsere Vereinssatzung zu halten, in der unsere Formen des Miteianders festgeschrieben sind. Zudem arbeiten wir aktuell an einem Leitbild, und auch dort wird das nochmal explizit verankert sein. Denn in unserer aktuellen Mitglieder- und Fanbefragung, an der bereits knapp 1.000 Mitglieder und Fans teilgenommen haben, fordern beispielweise mehr als 75% der Befragten, dass sich der FSV bei solchen Vorfällen noch aktiver positioniert. Das tun wir hiermit ausdrücklich!

Wir als FSV Zwickau wollen verbinden und nicht ausgrenzen. Und wir wollen auch zukünftig Spieler verpflichten, bei denen die Leistung zählt – und nicht das Aussehen oder die Herkunft. Ganz nebenbei: Nur weil ein Mensch eine dunkle Hautfarbe hat, muss er nicht automatisch aus Afrika kommen. Im konkreten Fall geht es um einen gebürtigen Leipziger.

Wir spielen bewusst nicht die Karte: „Wer Rassist ist, kann kein Fan des FSV sein!“. Wir wissen, dass es nicht so ist und wir darauf keinen Einfluss haben. Natürlich können auch Rassisten Fans eines Vereins, eines Spielers, einer Band oder eines Künstlers sein. Das können wir ihnen nicht verbieten oder absprechen. Dennoch unsere Bitte: Dann haltet wenigstens euren Mund und tragt eure unmenschliche Haltung nicht auf dem Rücken unseres Vereins aus. Nutzt den FSV nicht als Bühne für eure geistige Haltung! Macht das woanders, am besten, wenn ihr alleine seid oder wo ihr die Konsequenzen unmittelbar selbst tragen müsst – aber nicht bei uns! Oder vielleicht einfach gar nicht?

An die FSV-Familie: Wir brauchen einen gemeinsamen Codex – eine Abmachung! Und die sagt: Es gibt Grenzen des Sagbaren im Stadion. Ja, es darf auch mal rau zu gehen bei uns. Aber bei Rassismus ist einfach Schluss! Wir wünschen uns, dass ihr einschreitet, wenn ein Maß überschritten wird und rassistische Äußerungen in eurem Umfeld fallen. Bitte habt den Mut, sofern möglich, etwas zu sagen. Das ist das, was uns hilft! Wir als Verein werden auch weiterhin nicht wegschauen. Das Problem sind nicht die Leute, die die Vorfälle klar benennen, sondern die Personen, die sich entsprechend äußern.

Schönen Wochenstart!

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